Chronik der SPD in Ostrhauderfehn
Ausgangspunkt dieses geschichtlichen Beitrages für unsere Homepage ist die 1996 herausgegebene Chronik der beiden damaligen SPD-Ortsvereine Ostrhauderfehn und Idafehn, die in jenem Jahr ihr 50jähriges bzw. 25jähriges Jubiläum feiern konnten. Die Chronik wurde von Frank Groeneveld, Idafehn, erarbeitet und trägt den Titel:
Vorwärts, und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht!
Auf den Inhalt der Chronik wird an dieser Stelle nur auszugsweise eingegangen. (Die komplette Chronik kann beim Ortsverein angefordert werden).
Für den regionalen Raum Ostrhauderfehn-Holterfehn-Idafehn lassen sich sozialdemokratische Wesenszüge bis in die 1920er Jahre zurückverfolgen. Die Schiffer der hiesigen Fehne kamen weit herum und galten als weltoffen. Dort, wo sie Kontakt mit der Sozialdemokratie bekommen hatten (beispielsweise in Wilhelmshaven), trugen sie die Gedanken der Arbeiterbewegung in die hiesigen Fehnorte weiter.
Der kleine Mann stellt Ansprüche
In der wirtschaftlich unsicheren Zeit der Weimarer Republik, wo alle paar Jahre eine Wahl mit vielen verschiedenen Parteien stattfand, gab es auch auf den hiesigen Fehnen öffentliche Versammlungen und Kundgebungen. Ich möchte jetzt nicht auf all die vielen Parteien eingehen, die sich um die Wählergunst der Bevölkerung bemühten. Neben den Arbeitslosen gab es Knechte, Mägde, Schiffer, Handwerker und alteingesessene Kaufmannsfamilien. Die letztgenannten hatten gewöhnlich das Sagen auf den Fehnen. Mit der Liberalisierung des Wahlrechts kam es zu einer Bewußtseinsänderung in weiten Kreisen der Bevölkerung, so daß auch der kleine Mann begann, politische Ansprüche zu stellen.
Die SPD-Anhänger im Overledingerland schlossen sich als erstes selbstbewußt im Reichsbanner zusammen. Dann folgte am 9.Februar 1928 die Gründung einer SPD-Ortsgruppe für den Raum Ostrhauderfehn und Westrhauderfehn. Weitere Werbe-versammlungen folgten um beispielsweise den Parteivorstand zu vervollständigen. In Idafehn, das damals noch zum Oldenburgerland gehörte, läßt sich ab mindestens 1932 eine eigenständige Ortsgruppe nachweisen.
"Sozialdemokratische Partei für West- und Ostrhauderfehn, Burlage , Holterfehn, Rhaudermoor, Collinghorst, Folmhusen und Umgegend
Ostfriesland stellte seit dem 15.September 1925 einen SPD Reichstagsabgeordneten, nämlich Hermann Tempel aus Leer. Er wurde auf den Fehnen erstmals für eine SPD-Mitgliederversammlung am 24.August 1929 als Redner erwähnt. Er referierte u.a. über die Reform der Erwerbslosenversicherung und die kommenden Kommu-nalwahlen. Ende Oktober 1929 wurden die Wahlvorschläge für die Kreistagswah-len im Kreise Leer eingereicht. Der Wahlvorschlag der örtlichen Genossen lautete folgendermaßen:
1. Moormann, Karl, Hauptlehrer, Westrhauderfehn
2. Noormann, Johann, Schiffer, Ostrhauderfehn
3. Witsker, Jann, Kolonist, Collinghorst
4. Klock, Eiko, Schiffer, Holterfehn
5. Winter, Heinrich, Maurer, Rhaudermoor
6. Schmidt, Hinrich, Kolonist, Collinghorst-Glansdorf"
Bis 1932 fanden auf den Fehnen des Overledingerlandes verschiedene politische Versammlungen statt, die allesamt relativ ruhig abliefen. Mit den Anhängern der NSDAP gab es im großen und ganzen nur unbedeutende Rangeleien, auf die hier nicht im näheren eingegangen werden soll. Ab 1932, als sich der Niedergang der Weimarer Republik abzeichnet, wächst auch hier die Aggressivität unter den Parteien. Die SPD-Anhänger schlossen sich mit dem Reichsbanner und den Gewerkschaften zur "Eisernen Front" zusammen, die sehr viele Aktivitäten entwickelte. Näheres hierzu ist in der gedruckten SPD-Chronik nachzulesen.
Zunehmende Aggressivität
Wie schon in den Vorjahren, traten auch 1933 Hoffmanns Rote Sänger im Hotel "Zum goldenen Anker" auf. Daß die Lage für die SPD-Anhänger immer schwieri-ger und die braunen Schatten immer länger wurden, mag der folgende Bericht vom 24.Februar 1933 aus dem Volksboten verdeutlichen: "Während der Aufführungen der 'Roten Sänger', die in ganz Ostfriesland geschätzt sind, versuchten national-sozialistische Flegel in den Saal einzudringen. Sie brachen die Tür zum Bühnenraum auf und Warfen Glasscheiben ein. Es gelang, die Ruhe auch unter den anwesenden verängstigten Frauen bald wieder herzustellen. Die Hakenkreuzrowdies wurden abgewiesen. Die anständige Bevölkerung am Ort lehnt solche Kampfmethoden entrüstet ab. Weg mit dem Hakenkreuz."
Eiko Klock aus Holterfehn war bereits früh für die Sozialdemokratie aktiv.
Dies ist die letzte Meldung, die im Volksboten vor der "Machtergreifung" Hitlers abgedruckt werden konnte. Viele derjenigen, die sich offen zur SPD bekannt haben, mußten so manche Repressalien der "neuen braunen Herren" erdulden. Für die Familien begannen angsterfüllte Tage. Hausdurchsuchungen mußte beispielsweise die Holterfehner Familie des Reichsbannervorsitzenden Eiko Klock widerstandslos über sich ergehen lassen. Man versuchte sich so gut wie möglich zu schützen. Die große schwarz-rot-goldene Fahne des Reichsbanners wurde beispielsweise rechtzeitig in Streifen auseinandergezogen, um daraus Kinderkleidung zu nähen. Aus den Schärpen entstanden auf diese Weise Kissen für die gute Stube. Am 2.Mai 1933 wurde die Sozialdemokratische Partei Deutschlands aufgelöst. Alle anderen politischen Parteien mußten sich am 14.Juli 1934 selbst auflösen! Über die Verfolgung von prominenten Sozialdemokraten, die zum Teil in Lagern ganz in unserer Nähe untergebracht waren (Esterwegen, Börgermoor), ist von kompetenter Seite bereits ausführlich geschrieben worden.
Die Mitglieder des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Westrhauderfehn u. Umgebung kamen aus Rhauderfehn, Ostrhauderfehn, Holterfehn und Idafehn.
Dieses Foto, welches von Hanna Krawinkel zur Verfügung gestellt wurde, ist ein seltenes Zeugnis der organisierten Arbeiterbewegung im Overledingerland. Die Aufnahme entstand vor 1928.
Der Neubeginn in Ostrhauderfehn
Im April 1945, als das sogenannte 'Tausendjährige Reich' bereits in den letzten Zügen lag, erreichte die Kriegsfront auch Ostrhauderfehn. Die Kämpfe dauerten hier nur wenige Tage. Das Moor wurde für die Fehnbewohner zum einigermaßen sicheren Zufluchtsort. Am 8.Mai 1945 fand der "braune Alptraum" endlich - nach rund 12 Jahren - sein Ende. Die Sorge um die eigene nackte Existenz bestimmte in dieser Zeit des totalen Zusammenbruchs (und in den Jahren danach) das Denken und Handeln aller Menschen. Es ging fast ausschließlich um die notwendigen Dinge des täglichen Bedarfs: Essen und Trinken, Kleidung, Wohnung und Heizmaterial. In Ostrhauderfehn kam als zusätzliche Belastung die sogenannte "Polenzeit" hinzu. Die Häuser entlang einiger ausgesuchter Wiekenseite mußten auf Anordnung der Allierten für ehemalige polnische Zwangs- und Fremdarbeiter und ihre Familien geräumt werden. Die bisherigen Bewohner wurden bei ihren sogenannten Kopfnachbarn auf der gegenüberliegenden Seite einquartiert.
Neben diesen Existenzsorgen war auch die geistige Leere ein tiefgreifendes Problem. Sie war eine Hinterlassenschaft des totalen Staates und sorgte für ein großes Unbehagen an der Politik. Zu viele Menschen waren in ihrer ehrlichen Begeisterung enttäuscht worden, fühlten sich betrogen und zogen sich auf ihren privaten Bereich zurück.
Andere wiederum bemühten sich in dieser zerrissenen Zeit, ein neues Weltbild zu schaffen. Das wiederbeginnende politische Leben und die zugelassenen Parteien wurden meist von Menschen geformt, die bereits in der Weimarer Republik politische Impulse erhalten hatten und politisch tätig gewesen waren. Zu diesen Männern der ersten Stunde gehörte auch Rudolf Ferdinand (†10.02.2002) aus Holterfehn, der für die Ostrhauderfehner SPD-Geschichte zum Zeitpunkt der Chronikerstellung 1996 der letzte noch lebende Zeitzeuge jener politischen Ereignisse war.
Obwohl die Konstituierung von politischen Parteien in der britischen Zone erst ab dem 15.September 1945 generell erlaubt wurde, schloß dies natürlich nicht aus, daß sich schon vorher Menschen gleicher oder ähnlicher Gesinnung zusammenfanden. So war es auch in Ostrhauderfehn.
Bereits im Sommer 1945, so erinnert sich Rudolf Ferdinand, begannen einige Sozialdemokraten in West- und Ostrhauderfehn wieder mit der politischen Arbeit. Anfangs wurde für beide Fehngemeinden eine gemeinsame "Ortsgruppe West-rhauderfehn" gegründet. Karl Noormann aus der Dosewieke, so erzählten es mir Anni Willms und Rudolf Ferdinand, habe wie in der Zeit vor 1933 die Leitung übernommen.
Auf meine Frage, warum die Ostrhauderfehner Sozialdemokraten zur Ortsgruppe Westrhauderfehn zählten, meinte Rudolf, daß hier anfangs eine "Gemeinschafts-SPD" gewesen sei, zu denen die Ost-, West- und Holterfehntjer gehörten. Diese Zusammengehörigkeit habe aber bald wieder aufgehört, denn jeder Ort hatte andere Probleme.
Leider sind Original-Quellen für die Anfänge politschen Lebens im Raum Ostrhau-derfehn nach dem totalen Zusammenbruch 1945 schwer aufzuspüren. Für viele der damaligen Vorgänge gibt es überhaupt keine schriftlichen Unterlagen, da die beteiligten Personen die Entscheidungen in persönlichen Gesprächen trafen und alles ehrenamtlich erledigt wurde.
Rudolf Ferdinand erzählte mir, daß er zusammen mit seinem Schwiegervater Gerd Peper und mit Hans Heyer damals den Gedanken hatte, einen eigenen SPD-Ortsverein zu gründen. Rudolf meinte: "Dor sünd wi weer nej anfangen naot Krieg. Vördem harn se uns ja bi de Been, dor wüss du nich achterut of vör." Nach diesen Erzählungen können wir festhalten, daß von Ostrhauderfehner Seite Rudolf Ferdinand, Gerd Peper und Johannes Heyer bei den ersten politischen Schritten mitwirkten.
Dies ist auch der SPD-Mitgliedskarte von Johannes ("Hans") Heyer zu entnehmen, der ebenfalls von Anfang an dabei war. Sowohl Hans Heyers Mitgliedskarte als auch Rudolf Ferdinands Parteibuch weisen als Eintrittsdatum den 30. März 1946 auf. Das bei beiden Ostrhauderfehnern übereinstimmende Datum läßt darauf schließen, daß dies der "Gründungstag" der hiesigen SPD ist.
Nach einigem Überlegen konnten Rudolf und Marie Ferdinand mir noch folgende SPD-Mitglieder des damals neugegründeten Ortsvereins "Ostrhauderfehn-Holter-fehn" nennen: Johann Weers sen., Hermann Möhlmann (von der "Kanalstraat", d.h. Holterfehner Straße), Alfred Peper (Schifferstraße), Dirk Bunger und Jan Linse. Rudolf erinnerte sich auch noch, daß die Ehefrau von Jan Linse, Margarethe geb. Heyer, die erste Frau war, die von Anfang an zum neugegründeten SPD-Ortsverein gehörte.
Sicher war die Zahl der "aktiven" Mitglieder jener Zeit weitaus größer, und so können die vorstehend genannten Namen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die meisten SPD-Mitglieder waren Leute, so erzählte Rudolf Ferdinand, die auf den Kanälen als Kahnschiffer gefahren sind ("oll Fahrenslü") oder z.B. bei der "Krektion" (= Weserkorrektion des Bremer Wasserwirtschaftsamtes) in der Naßbaggerei arbeiteten. So war z.B. Hans Heyer bei der WTAG als Schiffsführer tätig.
Zum ersten Vorsitzenden des neuen SPD-Ortsvereins, der laut Stempel die Bezeichnung "Ostrhauderfehn-Holterfehn" führte, war der bekannte Ostrhauderfehner Hinrich Willms vom Voßweg (heute Schulstraße) gewählt worden. Hinrich Willms war viele Jahre lang Bürgermeisterstellvertreter.
Hinrich Willms arbeitete bei seiner kommunalpolitischen Arbeit eng mit Hermann Backs, der aus der KPD-Bewegung kam, zusammen. Backs war lange Jahre 1.Vorsitzender des SV Eiche. Für beide war es eine regelmäßige Ehrenpflicht den großen Umzug am 1.Mai mit geschmückten Fahrrädern und entsprechenden Reden usw. anzuführen. Wertvolle Hilfe bekamen sie von ihren Ehefrauen. Seit 1948 gehörte Backs dem Gemeinderat an. Er war viele Jahre lang auch Vorsitzender des DGB-Ortskartells Ostrhauderfehn.
Das Amt des Kassierers hatte lange Jahre Hinderk Schmidt inne. Er war ein Schmied aus dem Ostrhauderfehner Untenende und arbeitete damals auf einer Wilhelmshavener Werft. Die Inhaber der weiteren Vorstandsämter in der Anfangszeit der damaligen SPD konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen.
Wie man sich leicht vorstellen kann, war die Parteiarbeit in den ersten Jahren anders als heutzutage. Wegen des Versammlungsverbotes der damaligen Militär-regierung traf man sich wechselweise bei den Mitgliedern zu Hause. Diese Treffen fanden Sonntagsvormittags statt, weil die meisten Mitglieder auswärts arbeiteten. Als später mehr Mitglieder dazugekommen waren, wurden schon mal kleinere Versammlungen abgehalten, z.B. in den Gaststätten von Dirk Janssen, Ubbe Meyerhoff, August Wilken oder Oskar Schön.
Erst am 15.September 1946 fanden wieder freie demokratische Kommunalwahlen statt, wenn auch unter der Oberaufsicht der Allierten. Zu diesen Wahlen waren verschiedene Parteien zugelassen, u.a. die SPD. Da, wie oben bereits beschrieben, der SPD-Ortsverein die meisten Beschlüsse mündlich faßte (Papierknappheit usw.), fehlen uns nähere Einzelheiten. Auf jeden Fall hat die Ostrhauderfehner SPD maßgeblich am Aufbau des Fehnortes mitgearbeitet. Die Nordwest-Zeitung druckte am 20.September 1946 das Abschlußergebnis der ostfriesischen Gemeindewahlen ab. Demnach gab es in der Gemeinde Ostrhauderfehn 1.500 Wahlberechtigte. Als Wähler waren 1.024 Personen vermerkt, die mehrere Stimmen abgeben konnten. Ungültige Stimmen gab es 63. Die SPD erhielt 2.612 Stimmen, die KPD 1.145 und die Parteilosen 674 Stimmen. Die CDU, die FDP und die NLP weisen in dieser Auflistung für Ostrhauderfehn keine Stimmen auf.
Zwei Jahre später, am 28.November 1948, fand die erste Gemeinderatswahl in Ostrhauderfehn ohne Oberaufsicht der Militärregierung statt. Die Wahlbeteiligung lag damals bei insgesamt 47,8 Prozent, oder 2.306 Stimmen. Auf die Ostrhauder-fehner Sozialdemokraten entfielen 1086 Stimmen, also fast 50 Prozent. Insgesamt wurde bei dieser Wahl über 13 Abgeordnetensitze entschieden.
Gewählt waren nach Auszählung der Stimmen von dem Wahlvorschlag der SPD folgende Kandidaten:
1. Heyer, Johannes
2. Fecker, Conrad
3. Duis, Johann
4. Duis, Johannes
5. Revens, Gerd
6. Hemmen, Gerhard
7. Peper, Alfried
Die SPD-Ersatzmänner waren Otto Körte, Bernhard Tinnemeyer, Heye Ortmann, Heinrich Fugel, Garrelt Hannken und Karl Groeneveld. Alle vier Jahre fanden nun Kommunalwahlen statt - Die SPD stellte mehrere Jahrzehnte lang immer die Mehrheit im Gemeinderat.
Die Bürgermeister
Drei der bekanntesten Bürgermeister nach 1945 in Ostrhauderfehn waren die SPD-Männer Johannes Heyer, Jan Zuidema und Alfred Pistoor.
Johannes Heyer
Für die SPD kam der gebürtige Holterfehner Johannes Heyer bereits 1946 in den Ostrhauderfehner Gemeinderat. Ein Jahr später, am 15.Oktober 1947, wurde er in geheimer Wahl zum neuen Bürgermeister Ostrhauderfehns gewählt. So wie die anderen Kommunalpolitiker jener Zeit führte auch er den Titel eines "Senatoren", eine Bezeichnung die unter der alliierten Militärregierung bis 1948 ihre Gültigkeit behielt.
Kaum ein anderer hat in der Nachkriegszeit nach 1945 am Wiederaufbau in Ostrhauderfehn so mitgewirkt wie Johannes Heyer. Bei den Kommunalwahlen erhielt er immer die meisten Wählerstimmen. Dank seiner guten Menschenkenntnis und seines sozialen Engagements war er ein angesehener Mann in Ostrhauderfehn. Auch dem Kreistag hat er seit 1959 lange Jahre angehört. Im Januar 1966 wurde ihm das von Bundespräsident Lübke unterzeichnete Bundesverdienstkreuz verliehen. Am 6.September 1968 beschloß der Rat in öffentlicher Sitzung, aus Anlaß von Heyers 20jährigem Bürgermeister-Jubiläum, eine Straße nach ihm zu benennen.
Johannes Heyer war nicht nur Bürgermeister, sondern auch Standesbeamter und (ehrenamtlicher) Gemeindedirektor in einer Person. Erst ab 1964 wurde mit Ludwig Duis ein hauptamtlicher Gemeindedirektor eingestellt. Bis zum 16.August 1970 gehörte Heyer noch dem Rat der Gemeinde Ostrhauderfehn an. Das Amt des stellvertretenden Standesbeamten führte er noch bis 1973 aus.
Mit zunehmenden Alter wurde "Hans" Heyer immer eigensinniger, was zu einigen Querelen führte. Im Alter von 87 Jahren verstarb dieser verdienstvolle Bürgermeister Ostrhauderfehns im Jahre 1986.
Jan Zuidema
Im Oktober trat der gebürtige Jemgumer Jan Zuidema in den niedersächsischen Polizeidienst ein. Im Jahre 1959 wurde er nach Ostrhauderfehn versetzt. Der damalige SPD-Ortsvereinsvorsitzende Hinrich Willms erkannte sofort die politischen Interessen des Ostrhauderfehner Neubürgers und warb ihn für den SPD-Ortsverein.
Bereits 1964 erschien Zuidema auf der SPD-Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl, erhielt aber noch zu wenig Stimmen. Bei der nächsten Wahl im Jahre 1968 gelang ihm der Sprung in den Gemeinderat, der ihn sogar sofort zum Bürgermeister wählte.

Diese Aufnahme zeigt Jan Zuidema (2.v.l.) in den 1970er Jahren während seiner Zeit als Bürgermeister in Ostrhauderfehn. Links neben ihn sieht man den Landtagsabgeordneten Horst Milde und rechts hinter ihm den SPD-Ratsherrn Hinrich Willms. Zwischen Zuidema und Willms ist der Gemeindedirektor Luidwig Duis zu sehen.
Das Amt des Bürgermeisters übte Jan bis 1982 aus, dem Gemeinderat gehörte er jedoch noch bis 1987 an. Da er auch von 1972 bis 1987 in den Leeraner Kreistag gewählt wurde, konnte er ein gutes Stück der Aufwärtsentwicklung der Fehngemeinde mitgestalten. Jan Zuidema gehörte Anfang der 1980er Jahre auch zu den Mitbegründern der Ortsgruppe der Arbeiterwohlfahrt in Ostrhauderfehn.
Alfred Pistoor
1986 wurde Alfred Pistoor Bürgermeister der Gemeinde Ostrhauderfehn. Drei Legislaturperioden (bis 2001) leitete der allseits bekannte Pädagoge Pistoor als SPD-Repräsentant die Geschicke der Gemeinde. Wie seine Bürgermeister-Vorgänger war auch er Mitglied des Kreistages und konnte somit für die zukünftige Entwicklung Ostrhauderfehns entscheidende Akzente setzen. So hat er beispielsweise die Schulentwicklung (z.B. Bau der Orientierungsstufe Ostrhauderfehn 1997) maßgeblich beeinflußt, wobei er mit seiner Beharrlichkeit einige dicke Bretter bohren mußte.
Seine begeisterungsfähige und motivierende Art haben viele Bürger bereits vor seiner Bürgermeisterzeit kennen gelernt. Als Lehrer hat er einigen Schülergenerationen nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Rüstzeug fürs Leben mitgegeben.
Alfred Pistoor hat sich als Bindeglied zwischen Bevölkerung, der Politik und der Verwaltung verstanden. Für viele Ostrhauderfehner war diese Integrationskraft schon fast eine Selbstverständlichkeit.
Alfred Pistoor erlag am 24.Mai 2009 im Alter von 72 Jahren einem Krebsleiden.

Beim Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins im Jahre 2007 stellten sich die "alten Recken" dem Fotografen: (v.l.) Jan Zuidema (ehemaliger Bürgermeister), Alfred Pistoor (ehemaliger Bürgermeister) und Fritz Groeneveld (ehemaliger stellv. Bürgermeister).
Die Wiederbelebung des SPD-Ortsvereins Idafehn
Wie wir oben bereits erfahren haben, gab es bereits 1932 einen SPD-Ortsverein in Idafehn. Nach dem Kriegsende 1945 entwickelten die Idafehner Sozialdemokraten anfangs einige Aktivitäten. Für die Gemeindewahl in der Gemeinde Strücklingen am 9.November 1952 stellte die SPD auf ihrer Gesamtliste 17 Kandidaten auf, wovon 14 aus dem Ortsteil Idafehn kamen. Auf Platz 1 wurde die Liste von dem bekannten Idafehntjer Elektro- und Schmiedemeister Wübbo Buß angeführt.
In den 50er Jahren begann eine "Veränderung" in der politschen Landschaft Idafehns. Von 1954 bis 1957 wurde der Idafehnkanal zugeschüttet. Diese für Idafehn einschneidende Maßnahme wurde vor allem Dingen vom Bürgerverein Idafehn "begleitet". Den Vorsitz im Bürgerverein hatte lange Zeit Wübbo Buß inne. Alten Protokollen des Bürgerverein ist zu entnehmen, daß sich hier fast die gesamte Einwohnerschaft über die Parteigrenzen hinweg zusammenfand. Hierdurch kamen die Aktivitäten des bisherigen SPD-Ortsvereins zugunsten des Bürgervereins zum Erliegen.
Nachdem sich die Straßenverhältnisse in Idafehn durch die Zuschüttung des ehema-ligen Westkanals und des anschließenden Straßenbaus verbessert hatten, schliefen die Aktivitäten des Bürgervereins gegen Ende der 60er Jahre so langsam ein.
Zu dieser Zeit, so erinnert sich Friedrich Groeneveld, begann die Vorbereitungsphase für die Neugründung eines SPD-Ortsvereins in Idafehn. Damals war es vor allem Gerd Litmathe aus Idafehn-Süd, der Ende 1969 einige sozialdemokratisch eingestellte Ida-fehntjer um sich sammelte. Werner Beckmann, Günter Brunken, Harro Winkelmann, Jan Freese und mein Vater zählten u.a. zum engeren Kreis der Aktiven.
Sie hospitierten anfangs beim SPD-Ortsverein Elisabethfehn. Sie fanden in dem dortigen Vorsitzenden Gerd Ulpts einen Genossen, der ihre Bemühungen für einen eigenständigen Idafehner SPD-Ortsverein unterstützte. Auch bei Jan Zuidema, dem Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Ostrhauderfehn stieß man auf offene Ohren.
Am 30.Januar 1971 war es dann soweit. Im Protokollbuch des Ortsvereins ist auf der ersten Seite von dem Ablauf der Generalversammlung im Gasthof Jansen zu lesen, daß ein Koslowski vom Bezirks-Sekretariat Oldenburg "auf den Stand des früheren Ortsvereins Idafehn einging und ausführte, daß gewünscht wird, daß der Ortsverein wieder seine frühere Blüte erlangen werde". Nach diesen Ausführun-gen ging man über zur Wahl eines Vorstandes. 1.Vorsitzender wurde Günter Brunken, Stellvertreter Johann Freese, Schriftführer Gerhard Litmathe und Kassie-rer Rudolf Kerker. Weiter heißt es im Protokollbuch: "Damit war der Ortsverein wieder auf eigene Füße gestellt. Die bisherige Betreuung der Mitglieder durch den Ortsverein Elisabethfehn wird aufgehoben."
Ein einschneidendes Ereignis war für Idafehn die 1974 durchgeführte Verwaltungs- und Gebietsreform Niedersachsens. Im Rahmen dieser fundamentalen Neueinteilung, durch die viele kleine Kommunen zu größeren Verwaltungseinheiten zusammengefaßt wurden, die die Voraussetzung für das Überleben und die Versor-gung der Landgemeinden sichern sollten, wechselte Idafehn vom Oldenburgischen ins Ostfriesische. Wesentlichen Anteil daran, daß die Idafehntjer sich für die Gemeinde Ostrhauderfehn aussprachen, hatte der SPD-Ortsverein Idafehn.
Am 9.Juni 1974 wählte Ostrhauderfehn als einzige Gemeinde in Ostfriesland einen neuen Gemeinderat. In einem Wahlaufruf der SPD hieß es: "Nach dem Referenten-entwurf (Gesetzesvorlage) zur Gemeindereform sollte Ostrhauderfehn keine selbständige Gemeinde bleiben. Aber - Gegen den härtesten Widerstand der CDU setzten Sozialdemokraten aus Ostrhauderfehn und Idafehn die Eigenständigkeit unserer Gemeinde durch! Heute ist die Großgemeinde Ostrhauderfehn eine der schönsten Gemeindeeinheiten unseres Kreises."
Die Jubiläumsveranstaltung zur 50 bzw. 25 Jahr-Feier der SPD-Ortsvereine Ostrhauderfehn und Idafehn fand am 23.Juni 1996 in der ev. Landvolkshochschule Potshausen statt.
Während der Feierstunde wurden u.a. einige Genossen für ihre langjährige Treue geehrt.
Stehend v.l.: Wilfried Steenblock (OV-Vorsitzender Ostrhauderfehn), Helmut Collmann, Festredner Horst Milde (nds. Landtagspräsident), Reinhold Robbe (MdB und Kreisvorsitzender), Karl-Heinz Gerdes,
Im Jahre 2000 waren die Vorstände der beiden SPD-Ortsvereine Ostrhauderfehn und Idafehn der Auffassung, dass es ein gutes Zeichen für die Einheit der 1974 gegründeten Gemeinde Ostrhauderfehn sei, nach 25 Jahren in der Gemeinde einen einen starken Ortsverein der SPD für alle Ortsteile zu führen. Der SPD-Kreisvorstand billigte am 20.03.2000 einstimmig den Antrag auf Zusammenschluss der beiden Ortsvereine. Am 24.06.2000 fasste die
Mitgliederversammlung beider Ortsvereine den entsprechende Beschluß über die Zusammenführung beider Ortsvereine. Der neue Ortsverein erhielt den Namen "Osterfehn".
Der neue Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: Vorsitzender: Frank Groeneveld, stellvertretende Vorsitzende: Grete Heyen und Karl-Heinz Kempen, Kassierer: Bernhard Santjer, stellv. Kassierer: Oskar Feldmann, Schriftführer: Matthias Groote, stellv. Schriftführerin: Melanie Pastoor, Beisitzer: Alfred Pistoor, Wilfried Steenblock, Heinz-Hermann Prahm, Frances Ellinger und Anton Möhlmann. Seniorenbeauftragte: Grete Heyen, Karl Schmidt u. Friedrich Groeneveld.





















